Wacom Mobile Studio Pro vs Apple iPad pro

8. März 2018 Aus Von yunuyei

Viele Künstler träumen davon mobil und direkt auf einem Bildschirm zeichnen zu können.

Die beliebtesten Geräte sind derzeit das Wacom Mobile Studio Pro und Apple iPad pro.

Video-Review

Mobile Studio Pro

Beim Mobile Studio Pro handelt es sich um einen sogenannten Stift-Computer. Es vereint einen vollwertigen PC mit einem Wacom Grafiktablett.

Insofern kann das Mobile Studio Pro  wunderbar statt einem Laptop genutzt werden.

Hinzu kommt der mitgelieferte Pro Pen, der mit über  8.192 Druckempfindlichkeitsstufen besonders sensitiv ist. Zusätzlich bietet dieser Stift noch zwei programmierbare Tasten , einen Radiergummi auf der Rückseite und läuft dank patentierter Magnetfeldtechnologie batterielos.

Des Weiteren hat das Mobile Studio Pro noch 6 programmierbare Tasten und einen sogenannten Rockerring. Diese erlauben einem diverse Shortcuts abzuspeichern und mit einem Klick abzurufen.

Dazu kommt noch eine spezielle Kamera, mit der man scannen kann, was vor allem für 3D Artists interessant ist, aber für mich als Mangazeichner keine Rolle spielt.

Das Wacom Mobile Studio Pro kommt in 2 Ausführungen 13″ und 16″. Bedenken sollte man, dass schon die 13″ ca die Größe eines 15″ Laptops hat und das 16″ wesentlich schwerer und mühsamer zu transportieren ist, sollte man mobil arbeiten wollen.

Je nach Ausführung kostet das Mobile Studio Pro zwischen 1650-3000€

Hinzu kommen kosten für eventuelles Zubehör, wie eine Hülle, Ständer, oder dem Wacom Link Adapter um es als zweiten Bildschirm nutzen zu können

Das iPad Pro

Das iPad Pro ist das leistungsstärkste Tablet von Apple und vor allem auf Grund des Apple Pencils sehr Interessant für viele Zeichner.

Es gibt verschiedene Ausführung des iPad Pros:

Die erste Generation gibt es  ab 32 GB in den Größen 9.7 und 12.9, die zweite ab 64 GB in 10.5 und 12.9. Zusätzlich gibt es noch die Option auf ein Cellular-Modell, in das man eine Simkarte stecken kann, sollte man mobiles Internet benötigen.

Der Apple Pencil ist ausschließlich mit den Pro Modellen kompatibel, wird über Bluetooth gekoppelt und benötigt somit Strom. allerdings lässt  er sich extremst schnell laden, auch über das Ipad direkt. Angeblich reichen 15 Sekunden für 30 Minuten zeichnen. Vollständig geladen hat der Pencil laut Apple eine Laufzeit von 12 Stunden.

Die Druckstufenempfindlichkeit ist leider nicht bekannt, allerdings ist der Apple Pencil überaus sensibel (auch auf Geräten mit Displayschutzfolien) und Neigungsempfindlich. Das Zeichengefühl ist somit sehr nahe an einem echten Stift.

Das Ipad Pro läuft mit dem Betriebssystem IOS. Dies ist ein App basiertes System d.h. es können nur Apps auf dem Gerät installiert werden und keine normalen Programme.

Allerdings bietet der Appstore eine große und vielfältig Auswahl von Zeichenapps. Besonders beliebt sind ProCreate (10,99€), dass vom Malen Photoshop stark ähnelt und Clip Studio.

Jedoch sollte man beachten, dass Clip Studio in einem Abomodell kommt und mit 7,99€ nicht gerade günstig ist, vor allem wenn man bedenkt, dass man für die Software Version für Windows und OSX nur einmal zur Kasse gebeten wird.

Eine gute Alternative zu Clip Studio stellt Medibang Paint da. Bis auf Vectorenebenen und Animation bietet es fast alle wichtigen Funktionen, die Clip Studio eben auch bietet und ist dabei völlig kostenlos.

Mit Hilfe von Apps kann das Ipad auch als zweiter Bildschirm genutzt werden.

Mobile Studio Pro und Ipad Pro im Vergleich

Hier findet ihr ausgewählte Spezifikationen des Ipads Pro und Mobile Studio. Zu beachten ist, dass primär die 12.9 Modell und 13″ Varianten miteinander verglichen wurden.

MOBILE STUDIO PRO

IPAD PRO

Größen 13“ (empfohlen) und 16“ Je nach Generation 9.7,10.5 und 12.9
Stift Inklusive Pro Pen 2 mit 8.192 

2 programmierbare Tasten, Radiergummi

Batterielos

Seperat erhältlich. Sehr zu empfehlen ist der Apple Pencil (ca.100€)
Programmierbare Tasten 6 programmierbare Tasten + Rockerring Keine
Touch ja ja
Betriebssystem Windows 10 IOS (Nur Apps installierbar)
Speicher erweiterbar 3USB C Ports + einen SDHC Speicherkarten Slot Nein. Dateien müssen über Clouds hin und hergeschoben werden
Enthaltenes Zubehör Stifthülle, Pro Pen und 6 Ersatzspitzen keines
Als 2ter Bildschirm nutzbar Via Wacom Link Adapter (ca. 100€) Via Apps
Simkarte Nein Ja, bei Cellular Modellen
Preis ab 1650€ aufwärts ab 600€-750€ aufwärts je nach Modell
Zeichenprogramme Alle handelsüblichen Programme, die es für Windows gibt, von Sai, Clip Studio, Adobe usw. Diverse Apps von kostenlos – kostenpflichtig

Clip Studio nur im monatlichen Abomodell verfügbar

Zeichenfläche 33.8 cm Bildschirm diagonale 32,78 cm Bildschirm diagonale (12.9)
Auflösung 2560 x 1440 Pixel (13“) 2732 x 2048 Pixel (12.9)
Gewicht 1420 gr (13“) 469 gr (9.7-10.5) , 677 g (12.9)
Größe 367 x 229 x 16 mm (13“) 305,7 mmx 220,6 mm (12.9)
Garantie 2 Jahre in der EU  2 Jahre Garantie

1 Jahr eingeschränkte Apple Garantie, mit Apple Care auf 3 Jahre erweiterbar

Mobile Studio

Vorteile Nachteile
Vollwertiges Betriebssystem Kurze Akkulaufzeit (2-4 Stunden)

Verbraucht auch im Standby Modus viel Akku

Programmierbare Tasten Gewicht und Größe
Einfache Speichererweiterung und Dateimanagement.

SDHC Karten Slot und 3 USB C Ports

Aktiv nutzbare Zeichenfläche zu schmal ca. 30cm x15cm hoch
Große Programmauswahl, von Sai, Adobe, Clip Studio bis hin zu Corel Painter Touch funktioniert nicht 100% genau und Leak teilweise noch vorhanden
USBC Adapter wird für normale USB Sticks benötigt
Ähnlich schwer und mühsam zu transportieren wie ein Laptop

Das Mobile Studio kann vor allem im Bereich Betriebssystem punkten. Mit Windows 10 stehen einem fast alle Möglichkeiten offen. Auch die Dateiverwaltung ist dank SDHC Slot und USBC Ports sehr einfach. So können bei kleineren Modellen Dateien einfach ausgelagert werden.

Nicht zu unterschätzen ist das Gewicht und die Größe des Geräts. Das Mobile Studio Pro schmeisst man nicht einfach mal in die „Handtasche“, sondern transportiert es ähnlich wie ein Laptop sorgsam. Die geringe Akkulaufzeit ist ein echtes Manko und schränkt die spontane Nutzung zusätzlich ein. Auch die Zeichenfläche, die im Rahmen der Nutzung eher einen Seitenverhältnis von 2 zu 1 entspricht, ist meines Erachtens nicht ganz optimal.

Der Bildschirm ist heller und ausgereifter gegenüber dem Vorgänger. 96% Farbraum und 4k sprechen für sich. Apple-User werden aber eine leichte Farbabweichung gegenüber Applebildschirmen festellen.

Ipad Pro

Vorteile Nachteile
Lange Akkulaufzeit, auch im Standby. 5-6 Stunden zeichnen und surfen sind kein Problem Keine Expresskeys. Limitierte Möglichkeit von Touchgesten. Shortcuts nur über Tastatur
Aktiv Nutzbare Zeichenfläche ca. 26cm lang x 20cm hoch Apple Pencil benötigt Batterie, hat keine programmierbaren Tasten
Leicht und mobil nutzbar, kleines Netzteil Dateimanagement schwierig. Keine USB Ports, Nutzung von Cloudservices notwendig
Viele tolle Apps Clip Studio Pro nur im Abomodell verfügbar

Adobe nur im abgespeckten Varianten erhätlich

Beim Ipad Pro handelt es sich  um ein Tablet und keinen PC. Dementsprechend sind die Nutzungsmöglichkeiten limitiert. Zwar bietet das Ipad viele tolle Apps, ganz ersetzen können diese aber einen Computer meines Erachtens nicht. Die Dateiverwaltung erweist sich auf Grund fehlender Ports und Slots als überaus mühsam und funktioniert mittels Cloud. Hier  können auf den ein, oder anderen User noch weitere Kosten zukommen, da die meisten Clouds nur einen begrenzten Speicher kostenlos anbieten.

Solltet ihr bereits über ein großes Appleökosystem verfügen (Iphone, iMac, Macbook usw.), kann sich die Applecloud aber durchaus bezahlt machen, da ihr so einfachen Zugriff auf alle eure Dateien von allen Geräten habt. Mit 2,99€ für 200 GB und 9,99€ für 2 TB ist Apple auch überraschend günstig.

Der Apple Pencil ist einer der besten digitalen Stiften, den ich jemals benutzen durfte. Es gibt nahezu keine Verzögerung, er ist höchst präzise und seine einzigen Schwächen sind die Batterie und das fehlen von Expresskeys. Die Handfläche wird niemals mit dem Stift verwechselt und der Touch funktioniert zu 100% fehlerfrei.

Stichwort Expresskeys: Diese können dem ein, oder anderen Usern deutlich fehlen. Viele Apps bieten die Möglichkeiten mit Touchgesten bestimmte Shortcuts durchzuführen, oder einen Quickaccess zu den häufigsten Befehlen, dennoch sind diese nicht so bequem wie Expresskeys.

Da Wacom mittlerweile bei vielen seiner Pendisplay Geräten auf Fernbedienungen umgestiegen ist, hoffe ich, dass es irgendwann auch eine für das iPad  geben wird. Natürlich besteht die Möglichkeit Shortcuts auch mit einer Tastatur durchzuführen, die aber nicht jeder Zeichner mit sich führt.

Die Vorteile des Ipads liegen eindeutig in der große Mobilität und der lange Akkulaufzeit. Liegt das Ipad mal zwei, drei Tage in der Tasche hat es immer noch genügend Saft, um damit zu zeichnen. Im aktiven Betrieb (Zeichnen und Surfen), sind 6-7 Stunden intensive Nutzung kein Problem. Auch empfinde ich das Seitenverhältnis des Ipads 12.9 deutlich angenehmer als das des Mobile Studios. Die aktive Fläche des Ipads gleicht nahezu einem A4 Blatt und ähnelt einem 4:3 Format, was deutlich komfortabler ist. Auch empfinde ich das Ipad als Farbtreuer, als das Mobile Studio.

Wer das Ipad als zweiten Bildschirm nutzen möchte, kann dies übrigens mittels diverser Apps tun.

Zeichengefühl und Stift

Die Frage nach dem Zeichengefühl wird besonders oft gestellt. Das ist natürlich sehr subjektiv.

Ich persönliche mag das Zeichengefühl des Cintiq Companion 2 bzw. Pro Pen 1 mehr und empfinde das Mobile Studio Pro als „sehr glatt“. Die „rauere „Fläche der Vorgängermodelle hat  mir mehr gefallen, allerdings waren diese auch weitaus kratzanfälliger.

Laut Wacom selbst sollte der Pro Pen 2 übrigens keine Kratzer auf dem Mobile Studio verursache  und man kann es ohne Folie nutzen. Ein Folie kann stark das Zeichengefühl beeinflussen verändern. Auch gibt es zwei verschiedene  Typen von Spitzen, die sich unterschiedlich anfühlen.

Das iPad ist ebenfalls relativ glatt und die Fläche sehr hart. Allerdings ist auch der Pencil „härter“ und hat gefühlt mehr „Griff“ und Haptik als der Pro Pen 2 von Wacom.   Falls einem das Ipad zu glatt sein sollte, kann man hier auch ein wenig Einfluss mit Folien nehmen. Ich selbst nutze das iPad mit einer Echtglasfolie, die überraschenderweise so gut wie keinen Einfluss auf die Funktionalität des Apple Pencils und den Touch hat.

Das Zeichengefühl ist schwierig zu beschreiben, aber vielleicht hilft euch diese Beschreibung : die Filzspitze des Pro Pen 2 fühlt sich für mich so an, als würde man mit einem weichen Druckbleistift auf Glas malen, das iPad hingegen als würden man mit einem Kugelschreiber auf einer harten Acrylplatte zeichnen.

iPad, oder Mobile Studio?

Das hängt einerseits von dem Budget, als dem Verwendungszweck ab.

Das Mobile Studio Pro ist ein vollwertiger Computer und für professionelles Arbeiten die beste Lösung. Gerade wenn man mehrere Programme nutzt, im grafischen Bereich und mit vielen verschiedenen Dateien arbeitet, zeigt das Mobile Studio seine stärken.  Es vereint Laptop und Tablet in einem Gerät und könnte für den ein, oder anderen auch einen kompletten Ersatz für einen Computer darstellen.

Das iPad pro ist eine tolle Ergänzung zu Laptop und Computer und Rahmen eines Apple Haushalte besonders leicht zu handhaben. Wer ständig eine digitale Leinwand dabei haben und jeder Zeit zeichnen können möchte ist mit dem iPad bestens beraten.

Im Illustrationsbereich ist es völlig ausreichend. Auch zum vorzeichnen bis hin zum kompletten Gestalten von Mangaseiten ist es geeignet (wobei mir hier die Shortcuts am meisten fehlen). Allerdings kann sich die Dateiverwaltung problematisch gestalten und für Clip Studio Nutzer können die monatlichen Kosten ein echtes Manko darstellen.

Welches Modell soll ich kaufen?

Das hängt stark von den eigenen Nutzungsverhalten und Ansprüchen ab.

Ich selbst konnte noch nie auf Laptop und Computer verzichten und Mobile Studio und iPad sind für mich primär digitale Leinwände.

Insofern war ich auch sehr glücklich mit dem Cintiq Companion 2, 64GB und empfand es als völlig ausreichend. Ich denke, dass für reines zeichnen dies immer noch ein tolles Gerät ist und wer günstig eines gebraucht findet ist mit diesem gut beraten. Allerdings sollte man hier die Garantie (2 Jahre) im Blick haben, den Reparaturen können bei Wacom sehr kostspielig sein.

Das Mobile Studio empfinde ich in der 16″ Variante als zu groß, um mobil zu arbeiten. Insofern kann ich die 13″ Variante eher empfehlen. Welche Ausführung ihr benötigt, hängt von euren Ansprüchen ab. Ich selbst nutze die 128GB Version und bin damit zufrieden.

Beim iPad kann ich eindeutig die 12.9 “ Variante empfehlen. Die 9.7″ war mir immer zu klein und ich hatte sie deswegen kaum benutzt und recht schnell wieder verkauft. Die zweite Generation mit 10.5 ist minimal größer und meines Erachtens auch zu klein.

Die zweite Generation kommt in der kleinsten Speicherausführung in 64GB, was mir bis jetzt zum zeichnen reicht. Wer Musik, Spiele, Bilder uvm. auf dem iPad nutzen möchte, sollte aber zu einer größeren Version greifen, da der Speicher NICHT nachträglich erweitert werden kann.

Clip Studio läuft auf der zweiten Generation sehr stabil, wie sich mit der ersten verhält, kann ich leider nicht sagen.

Wer gebraucht kauft, kann die Garantie um 2 Jahre mit Apple Care verlängern. Allerdings muss man das machen, bevor das Gerät 1 Jahr wird.  Apple Care bietet einige Vorteile, die ihr der Apple-Webseite entnehmen könnt.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Review weiterhelfen. Solltet ihr noch Fragen haben, beantworte ich euch diese natürlich gerne.

Hier findet ihr noch meine Erfahrungen mit anderen Geräten Pen Displays – Meine Erfahrungen (inkl Buying Guide)