Ko-Fi vs Patreon

31. Oktober 2018 21 Von yunuyei

Das Leben als Künstler ist hart. Anders als ein Arbeitnehmer hat mein ein sehr unregelmäßiges Einkommen und ist auf Aufträge und Ausstellungen angewiesen. Das viele Auftraggeber dazu neigen ihre Rechnungen nicht pünktlich zu bezahlen, oder kurzfristig abzuspringen macht das Leben von uns Künstlern nicht leichter.

So sind wir Künstler ständig auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten, die uns ein halbwegs stabiles Einkommen sichern können.

Der ein oder andere mag dabei auf Seiten wie „Patreon“, „Ko-Fi“ etc. gestossen sein und fragt sich vielleicht, ob eine dieser Seiten ihm helfen könnte seinen Lebensunterhalt künftig zu finanzieren.

Im Folgenden Beitrag möchte ich die Vor- und Nachteile dieser beiden Seiten diskutieren.

Patreon

Patreon ist wohl die bekannteste all dieser Plattform. Künstler können sich dort relativ einfach einen Account machen und verschiedene Zahlungslevel einrichten, mit denen sie unterstützt werden können.

Je nach Supporterlevel erhält der Unterstützer dann eine Belohnung. Diese kann physischer, oder immaterieller Natur sein. Bei den meisten Künstlern hat man bei 1-5$ Zugriff auf exklusive Illustration und bei höheren Zahlungsstufen gibt es oftmals Merchandise, Commission etc. etc..

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und jeder Künstler kann völlig frei seine Belohnungen und Zahlungslevel bestimmen.

Der Upload auf Patreon ist relativ komfortabel und man kann bestimmen, wer etwas sehen kann (z.B. nur Supporter ab 5$). Supporter können diese Content via App und auf der Webseite direkt abrufen. Eine E-Mailbenachrichtigung ist auch möglich.

Das klingt doch alles großartig?

Im ersten Moment ja, allerdings hat Patreon einige bedeutende Nachteile

  1. Abbuchung

Früher wurden die Patrone immer mit Monatsbeginn zu Kasse gebeten. Ist zum Beispiel jemand am 10ten Mai euer Patron geworden, hat er fast einen Monat gratis Content bekommen, da er erst im Juni zur Kasse gebeten wurde. Mittlerweile ist es auch möglich, die Patrone zu dem Zeitpunkt abzukassieren, an dem sie Patron werden. Die Gebühr wird jedoch anteilig auf die verbleibenden Tage des Monats berechnet.

2. Dollar

Patreon ist komplett in Dollar. Da der Dollar starkenWechselkursschwankungen unterliegt, tun dies auch eure Einnahmen. Je nachdem müssen die Zahlungslevel also gelegentlich angepasst werden

3.VAT

Bei Patreon zahlen eure Patrone die VAT, also die Mehrwehrtssteuer. Für Deutschland sind das 19%, für Österreich 20%. An sich ist der Gedanke, die Einnahmen vorab zu versteuern nicht schlecht. Allerdings ist das im europäischen Raum für die meisten Künstler ein Unsinn, da Künstler in Deutschland z.B. ihre Werke nur mit 7% versteuern müssen bzw. viele Künstler gar keine Steuern zahlen müssen, da sie in die Kleinunternehmerregelung fallen. Patreon kassiert also völlig umsonst die MWST, die nicht gerade wenig ist. Unterstützt euch jemand z.B. mit 1$, bezahlt er Patreon 1.19$, wenn der Künstler aus Deutschland ist.

4. Gebühren

Die Grundgebühr bei Patreon ist mit 5% relativ günstig, allerdings sind alle anderen Gebühren relativ intransparent. So werden noch Gebühren für die Transaktion abgezogen, je nachdem mit was euer Patron bezahlt . Im Schnitt habe ich monatlich ca. 9-13% an Gebühren bezahlt. Hinzu kamen noch  Gebühren für das Überweisen meiner Einnahmen an mich. In Folge dessen habe ich mir meine Einnahmen nicht monatlich auszahlen lassen, sondern diese angespart und gesammelt nach ein paar Monaten transferiert.

5. Zahlungsausfälle

Immer wieder ist es passiert, dass auf einmal plötzlich eine Zahlung eingestellt wurde und Patreon diese nicht automatisch erneuert hat. Dies ist nicht mal meinen Supportern aufgefallen und ich musste diese kontaktieren und bitten erneut ein Abo abzuschließen. Das war früher besonders ungünstig, da Supporter ja immer mit beginn des Monats zur Kasse gebeten wurden und so eine Monatseinnahme ausgefallen ist. Das kann je nach Einstellung immer noch passieren.

Ko-Fi

Ko-Fi ist eine Seite, die mit Paypal-Zahlungen und stripe arbeitet. Auch hier kann man Zeichner unterstützen: Entweder mit einem einmaligen Betrag, oder monatlich.

Monatliche Zahlungen sind nur möglich, wenn der Zeichner Ko-Fi Gold Mitglied ist.

Der Vorteil einer Gold Mitgliedschaft ist, dass der Zeichner genau wie  Patreon exklusiven Content für seine Supporter hochladen kann und bestimmen kann wie viel ein „Coffee“ wert ist (Standardmäßig ist ein Coffee 3€). Eure Unterstützer können dann selbst festlegen, wie viele Coffees sie euch pro Monat kaufen möchten.

Allerdings sind die Uploadmöglichkeiten wesentlich eingeschränkter als bei Patreon. Es gehen nur Bilder mit einer geringen MB Zahl und es gibt keine unterschiedlichen Zahlungslevel. So ist es z.B. möglich bei Patreon zu bestimmen, dass nur Patrone ab 5$ einen Beitrag sehen. Das geht bei Ko-Fi nicht. Entweder kann man etwas öffentlich posten, oder nur für Unterstützer, unabhängig ihres Zahlungslevels.

Auch sammelt Ko-Fi keine Daten über eure Supporter (das kann man gut, oder schlecht finden). Adresse um z.B. Rewards zu versenden, müsst ihr per Mail erfragen. Nachrichten verschicken, Umfragen und andere soziale Interaktionen sind auch nicht möglich.

Es gibt auch keine App, allerdings ist eine Verknüpfung mit Twitter möglich um Supporter über Neuigkeiten zu informieren.

Das alles klingt auf den ersten Blick nicht so toll, dennoch gebe ich Ko-Fi mittlerweile den Vorzug gegenüber Patreon.

Wieso?

Ko-Fi ist die günstigste Plattform.

Ko-Fi kann man kostenlos, oder wenn man es wie Patreon nutzen möchte, für eine geringe, fixe Gebühr von 4,50-5,50€ pro Monat (je nachdem ob man es für 12 Monate im voraus, oder pro Monat bezahlt), nutzen.

Das Geld bekommt man SOFORT auf sein Paypalkonto überwiesen.

Was man beachten muss, ist dass Paypal einem eine Gebühr von 3% + 0,035€ abzieht,

Bei kleinen Beträgen, wie 2€, ist das eine ganze Menge, da fliegen fast 20% weg, allerdings wird es sehr viel günstiger, je mehr euer Supporter gibt.

Bei einer monatlichen Spende von 7€ bleiben ca. 6,41€ hängen (91%), bei 10€ 9,31€ (93%) usw.

Es kommen keine weiteren Gebühren hinzu, weder für euch, noch für eure Supporter und je mehr jemand euch spendet, desto günstiger ist Ko-Fi.

Im Schnitt bleibt ab einer gewissen Einnahmenhöhe viel, viel mehr hängen als bei Patreon. Zudem sind alle Zahlungen in €!

Das war der Hauptgrund für mich zu wechseln.

Die sozialen Interaktionsprobleme habe ich mit Hilfe einer exklusiven Facebookgruppe für meine Supporter gelöst und wie ich das ganze mit den Zahlungsstufen gelöst habe, findet ihr hier unter „Ko-Fi“ auf meiner Webseite.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Erfahrungen ein wenig helfen. Falls ihr noch fragen zu Ko-Fi, oder Patreon habt, könnt ihr mir diese jeder Zeit gerne stellen.

Falls ihr nun plant selbst einen Ko-Fi Account zu machen, wäre ich euch dankbar, wenn ihr folgenden Link benutzen würdet.

https://ko-fi.com/gold?a=C1C69K62